Der komplette Gebühren-Stack beim Verkauf auf Cardmarket 2026
Wer auf Cardmarket verkauft, zahlt nicht nur die offensichtliche Provision. Der tatsächliche Nettoerlös hängt von vier Faktoren ab: Provision, Trustee-Gebühr, Versandkosten und Verpackung. Gerade bei günstigen Karten frisst der Fixkostenanteil den Gewinn auf – das zeigt die folgende Aufschlüsselung.
1. Provision (5 %, Cap 100 EUR)
Cardmarket verlangt 5 % Provision pro Verkauf, gedeckelt auf maximal 100 EUR pro Artikel. Das bedeutet: Verkaufst du eine Karte für 2.500 EUR, zahlst du trotzdem nur 100 EUR Provision – effektiv also nur 4 %. Der Cap greift ab einem Kartenwert von 2.000 EUR (100 / 0,05 = 2.000).
2. Trustee-Service (ca. 0,75 %)
Der Trustee-Service schützt Käufer und Verkäufer vor Zahlungsausfällen. Die Gebühr beträgt ca. 0,75 % des Verkaufspreises (inkl. Versandkosten, aber ohne Provision). Sie wird vom Verkäufer getragen und fällt bei jeder Transaktion an – auch bei Kleinbeträgen.
3. Versandkosten & Verpackung
Du als Verkäufer trägst die Versandkosten. Übliche Preise 2026:
- Unversicherter Versand (Deutschland): 1,00–1,60 EUR (Warenpost oder Kompaktbrief)
- Versicherter Versand: ab 2,55 EUR (Einschreiben) bzw. 3,99 EUR (DHL-Paket)
- Verpackung: Toploader (0,10–0,30 EUR), Umschlag (0,05–0,15 EUR), ggf. Polsterung (0,10 EUR)
Faustregel: 0,50–1,00 EUR Verpackungskosten pro Sendung sind realistisch, wenn du sauber arbeitest.
4. Beispielrechnung für 3 Verkäufe
Angenommen, du verkaufst drei Karten einzeln – jeweils mit unversichertem Versand (1,50 EUR) und Verpackung (0,70 EUR). Die Trustee-Gebühr berechnet sich auf den Kartenpreis plus Versandkosten (nicht auf die Provision).
| Position | Karte A (5 EUR) | Karte B (50 EUR) | Karte C (200 EUR) |
|---|---|---|---|
| Verkaufspreis | 5,00 | 50,00 | 200,00 |
| Provision (5 %) | 0,25 | 2,50 | 10,00 |
| Trustee (0,75 % auf 6,50 / 51,50 / 201,50) | 0,05 | 0,39 | 1,51 |
| Versand (pauschal) | 1,50 | 1,50 | 1,50 |
| Verpackung | 0,70 | 0,70 | 0,70 |
| Gesamtkosten | 2,50 | 5,09 | 13,71 |
| Nettoerlös | 2,50 | 44,91 | 186,29 |
| Effektive Kostenquote | 50 % | 10,2 % | 6,9 % |
Deutlich wird: Bei einer 5-EUR-Karte bleiben nur 50 % des Preises übrig – das ist wirtschaftlich kaum sinnvoll. Ab ca. 10–15 EUR Kartenwert sinkt die Kostenquote unter 15 % und der Verkauf wird attraktiver.
5. Einzelverkauf vs. Lot-Verkauf – die Schwelle
Die entscheidende Frage: Ab wann lohnt sich Einzelverkauf statt Lot? Die Antwort hängt vom Preisabschlag für Lots ab, den du akzeptieren musst.
Einzelverkauf bringt höhere Preise, kostet aber pro Karte Fixkosten (Versand + Verpackung + Zeitaufwand für Einstellung, Kommunikation, Versand). Bei 3 EUR Versand/Verpackung pro Sendung sind das bei 10 Einzelkarten 30 EUR Fixkosten.
Lot-Verkauf bündelt die Fixkosten: Eine Sendung für 10 Karten kostet vielleicht 4 EUR Versand (statt 15 EUR) und nur eine Verpackung (0,70 EUR statt 7 EUR). Dafür musst du einen Preisabschlag von typischerweise 10–30 % gegenüber Einzelverkauf hinnehmen.
Faustregel für 2026:
- Karten unter 5 EUR: Nur als Lot verkaufen – Einzelverkauf lohnt sich nicht (Kostenquote > 40 %).
- Karten zwischen 5 und 15 EUR: Einzelverkauf nur bei hoher Nachfrage (schneller Verkauf) oder wenn du ohnehin mehrere Karten an denselben Käufer verschickst.
- Karten über 15 EUR: Einzelverkauf klar lohnenswert – die Fixkosten fallen prozentual kaum ins Gewicht.
- Karten über 100 EUR: Einzelverkauf immer, da der Provisions-Cap greift und der Käufer ohnehin versicherten Versand erwartet.
Ein konkretes Beispiel: Du hast 10 Karten im Wert von je 8 EUR. Einzelverkauf: 10 × 8 EUR = 80 EUR, abzgl. 10 × (0,40 Provision + 0,06 Trustee + 1,50 Versand + 0,70 Verpackung) = 26,60 EUR Kosten → Netto 53,40 EUR. Lot-Verkauf für 60 EUR (25 % Abschlag): 60 EUR – (3,00 Provision + 0,45 Trustee + 4,00 Versand + 1,00 Verpackung) = 51,55 EUR Netto. Hier liegt der Einzelverkauf knapp vorn – aber nur, wenn du alle 10 Karten auch einzeln loswirst. Bei langer Lagerdauer gewinnt das Lot.
Nutze zur genauen Berechnung die kostenlosen Rechner unter /rechner/grading/ für Wertsteigerung durch Grading und /rechner/lot-ev/ für den direkten Vergleich von Einzel- vs. Lot-Verkauf. Beide Tools rechnen mit aktuellen Cardmarket-Gebühren und sparen dir das manuelle Kalkulieren.
Fazit
Der Gebühren-Stack ist bei Karten unter 10 EUR brutal – hier dominiert der Fixkostenblock. Ab 15 EUR Kartenwert wird Einzelverkauf attraktiv, ab 50 EUR ist er klar die beste Wahl. Für Massenware unter 5 EUR ist das Lot die einzige sinnvolle Strategie, es sei denn, du hast einen Käufer, der mehrere Karten auf einmal nimmt. Kalkuliere immer mit den realen Kosten – und nicht mit dem Wunschpreis.